Veredlungskurs 24. April 2021

Das Wetter meinte es gut mit den Teilnehmern des Veredlungskurses vom Samstag, 24. April 2021. Der Kurs konnte bei prächtigem Sonnenschein und milden Temperaturen stattfinden. Wegen der gängigen Corona-Bestimmungen wurde der Kurs in vier Durchgängen mit je maximal 15 Personen durchgeführt. Zudem war das Tragen einer Maske Pflicht, wie auch die vorgängige Anmeldung. Alle vier Kursdurchgänge waren rasch ausgebucht. Der Kurs dauerte jeweils zwei Stunden, in denen der technische Leiter unseres Vereins, Peter Heinzelmann, die Handveredelungsmethode „Gegenzungenschnitt“ lehrte. Mit dieser Technik werden in professionellen Baumschulen Bäume für Obstbauern vermehrt.

Theorie muss sein

Zu Beginn des Kurses führte Peter in einem Theorieblock aus, dass alle Obstbäume aus zwei genetischen Teilen bestehen: einem Wurzelstock oder auch Unterlage bzw. Wildling genannt und einer Edelsorte. Beide Pflanzenteile weisen bestimmte von den Anbauern gewünschte Eigenschaften auf. So lässt sich mit der Wahl der Unterlage die Grösse und Wuchsstärke des Baumes regulieren, die Edelsorte hingegen soll eine gute Frucht hervorbringen und robust gegenüber Krankheitserregern sein. Unterlagen werden über Samen oder vegetativ vermehrt. Bei letzterer Methode wird Sägemehl um den Wurzelausschlag angehäuft. Durch das feuchte Klima entstehen im Sägemehl neue Wurzeln. Das Sägemehl wird dann im Winterhalbjahr entfernt und der Trieb mitsamt den gebildeten Wurzeln abgeschnitten, womit die fertige Unterlage geerntet wird. Bei der Veredelung ist das Ziel, eine möglichst grosse Fläche des teilungsfähigen Gewebes (Kambium) von der Unterlage mit jener der Edelsorte zu verbinden. Mit der Gegenzungenschnitttechnik wird dieses Ziel erreicht.

Übung macht den Meister

Nach der ausführlichen Theorie konnten alle Kursteilnehmer die besagte Schnitttechnik ausgiebig üben. Die Unterlage sowie das Edelreis der Sorte werden mit einem langen schrägen Schnitt angeschnitten. Durch einen zusätzlichen senkrechten Schnitt, die sogenannte „Zunge“, lassen sich die beiden Pflanzenteile zusammenstecken. Die beiden Teile werden dann mit einem Gummiband verbunden, welches die Aufgabe hat, die beiden Teile aufeinander zu drücken. Nach dem Verbinden wird die Veredlungsstelle in flüssigen ca. 70 Grad heissen Wachs getaucht. Diese Wachsschicht schützt die Veredlungsstelle vor dem Austrocknen und ermöglicht so das Zusammenwachsen von Unterlage und Sorte.

Jedem sein eigenes Bäumchen

Highlight des Kurses war, dass die Kursteilnehmer Bäume für sich selber veredeln konnten. Es standen zwei Apfel- und zwei Birnenunterlagen zur Verfügung, bei Zwetschgen und Kirschen sogar deren drei. Jede Unterlage hat bestimmte Eigenschaften, welche den späteren Baum prägen. Die Kursteilnehmer staunten nicht schlecht, als Peter ausführte, dass auf die Unterlage „Wavit“ sowohl Zwetschgen als auch Pfirsich, Aprikosen und Nektarinen veredelt werden können. Wie es sich für eine Obstsortensammlung gehört, konnten die Kursteilnehmer aus unzähligen Sorten ihren Favorit auswählen. Wer das Gelernte richtig anwendete, darf hoffen, dass aus dem veredelten Bäumchen ein stattlicher Baum heranwächst, der reichlich Früchte trägt. Bis zum Herbst sollte aus dem kleinen Trieb schon ein Bäumchen von einem Meter Grösse geworden sein.