26. Hauptversammlung, 8. März 2019

Erfreulich viele Teilnehmer

Es ist bekannt, dass an der Hauptversammlung des Vereins Obstsortensammlung Roggwil ein Grossaufmarsch stattfindet. Dass Thomas Alder, der Präsident, aber 137 Teilnehmer begrüssen konnte, ist einsamer Rekord. Offenbar ist die Verbundenheit zum Verein so gross, dass es sich gehört, an der Versammlung dabei zu sein. Oder ist es der Vortrag über Kirgistan von Hansjakob Zwingli oder könnte es das Fläschchen „Gebranntes“ sein, das traditionellerweise jeder Teilnehmer am Schluss der Veranstaltung mit nach Hause nehmen kann? Wie dem auch sei – der Ochsensaal in Roggwil war wieder einmal mehr als voll und die Stimmung war gut, wohlwollend und offen.

Zügige Abwicklung der Traktanden

Die Traktandenliste verriet keine besonderen Knackpunkte, nicht so wie letztes Jahr, als darüber debattiert wurde, ob die Obstsortensammlung auf „Bio“ umzustellen sei. Protokoll und Rechnung 2018 mit einem Deffizit von Fr. 9‘205 wurden diskussionslos angenommen, lediglich beim Budget, welches wiederum einen Rückschlag von Fr. 50‘589 aufweist, wollte diskutiert werden. Das Jubiläumsfest vom 18. August  zum 25-jährigen Bestehen belastet die Kasse mit gut Fr. 20‘000. Der Vorstand stellte zur Diskussion, ob auch die gesamte Verpflegung für die Teilnehmer gratis sein sollte, oder ob sie dazu einen finanziellen Beitrag leisten sollten. Das Budget würde dadurch um etwas Fr. 10‘000 entlastet. Er war aber der Ansicht, dass nach 25 Jahren und aufgrund des finanziellen Polsters es angebracht sei, die Mitglieder einzuladen und kostenfrei zu halten. Dass man dazu getrennter Meinung sein konnte, ist verständlich. Schlussendlich obsiegte der Antrag des Vorstandes, und somit dürfen alle geladenen Gäste und angemeldeten Mitglieder gratis am Fest teilnehmen.

In Kirgisien findet man die Urform unseres Apfels

Im Anschluss an die Versammlung nahm uns Hansjakob Zwingli mit auf eine Reise nach Kirgisien, wo er vor ein paar Jahren mit andern Pomologen den Spuren unseres Apfels aufsuchte. Kirgisien, in Zentralasien gelegen,  ist bekannt durch Hochebenen und Gebirge, aber auch fruchtbare Täler und Senken mit Seen. Das Volk, ursprüngliche Nomaden,  bewirtschaften ihr Kulturland teilweise gemeinsam, teilweise als abgezäunter Privatbesitz mit Tierhaltung und Obstbau. Dort wachsen Kern- und Steinobst noch wild in Wäldern. Man geht davon aus, dass über die Seidenstrasse die geeigneten Sorten auch in den Westen gebracht  und bei uns weiter gezüchtet wurden. Es ist also nicht wie vermutet, dass unsere Äpfel von dem einheimischen Holzapfel (Malus silvestris) abstammen, sondern von dem kirgisischen Apfel (Malus sieversii). Mit Genanalysen konnte dies nachgewiesen werden. Zwingli zeigte Bilder von behangenen Apfelbäumen, welche weder geschnitten, gespritzt  noch sonst irgendwie gepflegt werden und eine fast vergleichbare Qualität unserer hochgezüchteten Sorten haben. Offenbar ist diese Urform resistent gegen Schädlinge, wie sie bei uns anzutreffen sind und vielleicht ist auch das Klima besonders gut dafür geeignet.